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05. Dezember 2021

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Geschichte und Mathematik und Quantenphysik und Biologie

Geschichte und Mathematik und Quantenphysik und Biologie© Pexels.com/George Becker

Österreichische Akademie der Wissenschaften verleiht Ihre höchsten Auszeichnungen. Wilhelm Hartel-Preis, Erwin Schrödinger-Preis, Elisabeth Lutz-Preis und Nachwuchswissenschafter-Preise vergeben.

(red/mich/cc) Die höchsten Preise der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) für das Jahr 2020 sind verliehen. Bei einer virtuellen Preisübergabe wurden Deborah Klimburg-Salter (Wilhelm Hartel-Preisträgerin), László Erdős und Markus Arndt (Erwin Schrödinger-Preisträger), Karoline Kollmann (Elisabeth Lutz-Preisträgerin) und junge NachwuchswissenschaftlerInnen ausgezeichnet.

Asiatische Kultur- und Kunstgeschichte
Deborah Klimburg-Salter erhält den Wilhelm Hartel-Preis in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der asiatischen Kunstgeschichte. Sie habe ihr Fach an der Universität Wien zu weltweitem Ansehen geführt und sich für die Erhaltung und Vermittlung des kulturellen Erbes eingesetzt“, so ein Auszug aus der Jury-Begründung. Das Interesse Klimburg-Salters gilt dem kulturellen Austausch auf der sogenannten „Seidenstraße“ und im Himalaya, seinerzeitige Basis für die Verbreitung des Buddhismus in ganz Asien. Mit der Erforschung der kulturgeschichtlichen Verbindungen insbesondere in der Entstehungszeit der Klosterkomplexe im westlichen Himalaya hat sie international Maßstäbe gesetzt.

Deborah Klimburg-Salter hat an der Harvard University (US) promoviert, unterrichtete an der University of California (Los Angeles/US) und habilitierte sich 1989 in Wien. Als Professorin für Außereuropäische Kunstgeschichte an der Uni Wien gründete und leitete sie das das Center for Interdisciplinary Research and Documentation of Inner and South Asian Cultural History (CIRDIS). Sie wurde 2013 emeritiert, ist aber weiterhin als Gastprofessorin an der Uni Wien tätig. Klimburg-Salter war zudem maßgeblich an der Wiederbelebung des Nationalmuseums von Afghanistan in Kabul beteiligt.

Mathematik und Experiment in der Physik
Der Erwin Schrödinger-Preis geht zu gleichen Teilen an zwei Grundlagenforscher, die sich dem Verständnis physikalischer Systeme mathematisch beziehungsweise experimentell nähern. László Erdős hat mit einem Beweis der sogenannten Wignerschen Vermutung aus den 1950er-Jahren eine mathematische Grundlage für die Bearbeitung sehr unterschiedlicher naturwissenschaftlicher und technischer Fragestellungen geschaffen. Und Markus Arndt hat auf dem Gebiet der Quantennanophysik experimentell ausgelotet, wie die Materiewellen-Interferometrie zu einem hochsensitiven Messverfahren entwickelt werden kann.

Erdős ist ein in Ungarn geborener Mathematiker, der sich nach Stationen an der ETH Zürich (CH), der New York University (US) und dem Georgia Institute of Technology an der Uni Wien habilitierte. Nach einer Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (D) wechselte er 2013 an das IST Austria im niederösterreichischen Klosterneuburg. Markus Arndt startete seine wissenschaftliche Karriere am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching (D) und kam dann über Stationen an der Ecole Normale Supérieure in Paris (F) und der Uni Innsbruck an die Uni Wien, wo er sich 2002 habilitierte und seit 2004 Professor für Quantennanophysik ist.

Rolle von Enzymen bei Störungen der Blutbildung
Karoline Kollmann wird für ihre Forschungsarbeiten zur Rolle von speziellen Enzymen (Anm. Kinasen CDK6) bei Störungen der Blutbildung mit dem Elisabeth Lutz-Preis (Anm. für Life Sciences) ausgezeichnet. Kollmann untersucht die unterschiedlichen Funktionen der CDK6 in erkrankten sowie in gesunden Zellen, um diese Erkenntnisse therapeutisch anwendbar zu machen. Diese Enzyme sind essentiell für die Regulierung des Zellzyklus und beeinflussen zudem die Aktivierung von Stammzellen oder auch die Blutgefäßversorgung in Tumoren. Kollmann promovierte an der Med Uni Wien, danach forschte sie an der Cambridge University (GB). Seit 2016 ist sie als Postdoc an der Veterinärmedizinischen Uni Wien tätig.

Mit dem Erwin Schrödinger-Preis (Anm. nach Nobelpreisträger für Physik) werden ForscherInnen ausgezeichnet, die in Österreich wirken und hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der ÖAW vertretenen Fächern erbracht haben. Der Wilhelm Hartel-Preis ehrt WissenschaftlerInnen, die in den von der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW vertretenen Fächern forschen.

Der Elisabeth Lutz-Preis wird für grundlagenorientierte und anwendungsoffene Forschung in den Life Sciences vergeben, insbesondere für neue Erkenntnisse oder innovative Forschungsansätze. Alle drei Preise werden jährlich vergeben und sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert. Parallel verleiht die Akademie weitere Preise an NachwuchsforscherInnen.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 05.03.2021