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05. Dezember 2021

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Mit dem Ruderboot über den Atlantik

Mit dem Ruderboot über den Atlantik© TU Wien_Burns

Eine Studentin der TU Wien will in einem zwölfköpfigen Team über den Atlantik rudern. Ein speziell entwickeltes Messgerät wird dabei Daten über das Regenerationsvermögen in körperlichen Extremsituationen sammeln.

(red/mich) Es wird ein großes Abenteuer. Ciara Burns, Studentin an der TU Wien Biomedical Engineering, wird Ende März von Teneriffa aufbrechen, um rudernd den Atlantik zu überqueren. Als Teil eines zwölfköpfigen Teams möchte sie in 30 bis 40 Tagen die Karibikinsel Antigua erreichen. Neben der großen sportlichen Herausforderung gibt es dabei auch einen wissenschaftlichen Aspekt. In Zusammenarbeit mit Eugenijus Kaniusas vom Forschungsbereich „Biomedical Electronics“ der TU Wien wird Burns ihre Herzfrequenz elektronisch aufzeichnen und mittels spezieller Analysemethoden das Thema Regeneration in Extremsituationen erforschen. Unterstützt wird das Projekt von Bittium, einem finnischen Hersteller für EKG-Sensoren.

Extreme körperliche Belastung versus kurze Regenerationszeit
Gelingen soll die Ozeanüberquerung mit einem Spezialruderboot für zwölf Personen. Gerudert wird dabei ohne Pause: Zu jedem Zeitpunkt sollen sechs Personen rudern und sechs Personen schlafen. Gewechselt wird im zwei-Stunden-Takt. „Dieser Rhythmus hat sich schon bei vergangenen Atlantiküberquerungen bewährt“, erläutert Ciara Burns. „Natürlich ist es schwierig, nach zwei Stunden Schlaf schon wieder aufzustehen und weiter zu rudern. Aber dafür weiß man auch: Man hat keinen langen Tag vor sich, sondern muss nur zwei Stunden durchhalten.“

Dieser ungewöhnliche Rhythmus wirft auch wissenschaftliche Fragen auf: Wie geht der Körper mit dieser extremen Belastung und der kurzen Regenerationszeit um? Stimmt das subjektive Erschöpfungsgefühl mit objektiv messbaren Parametern überein? Solche Fragen untersucht Kaniusas. Ciara Burns wird zwei Herzmonitoring-Geräte mitnehmen, um ihre Herzfrequenz aufzuzeichnen. „Wir werden untersuchen, wie stark die Herzfrequenz in welchen Phasen variiert, und mit eigens entwickelten Analysemethoden messen wir, wie gut sich der Körper unter welchen Bedingungen regeneriert“, erklärt Eugenijus Kaniusas.

Überleben auf hoher See
Die körperliche Anstrengung beim Rudern ist extrem. Der Verbrauch beläuft sich etwa auf 10.000 Kalorien pro Tag, dazu 10 Liter Trinkwasser. Beim aktuellen Vorhaben wird das Trinkwasser mittels einer Osmoseanlage aus Meerwasser gewonnen und der Nahrungsbedarf mit spezieller „Astronautennahrung“ gedeckt. Trotzdem muss während der Atlantiküberquerung mit einem Gewichtsverlust von etwa 10 Kilogramm pro Person gerechnet werden.

„Wir haben elektronische Geräte mit, um navigieren oder notfalls Hilferufe absenden zu können. Alle sind mit einer Leine am Boot befestigt und tragen auch noch einen Peilsender am Körper“, so Ciara Burns zum Thema Sicherheit. Sollte das Wetter ganz besonders ungemütlich werden, kann sich das gesamte Team in die zwei kleinen Kabinen am Boot zurückziehen. Das Boot ist zudem so konstruiert, dass es nicht kentern kann, sondern sich in jeder Position von selbst aufrichtet. Der genaue Starttermin ist noch wetterabhängig, geplant ist dieser Tage. Burns wird über das Atlantik-Abenteuer laufend online berichten.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 22.03.2021