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04. Juli 2022

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Das erhöhte Risiko für anhaltende Lungenbeeinträchtigungen

Das erhöhte Risiko für anhaltende Lungenbeeinträchtigungen© MedUni Innsbruck

Männer über 60 Jahre plus kritischer Corona-Verlauf mit Beatmung erhöhen Risiko für lang anhaltende Veränderungen des Lungengewebes und Notwendigkeit der Nachsorge, so aktuelle interdisziplinäre Studie der Med Uni Innsbruck. 

(red/czaak) Ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Pneumologie (Initiatoren), Infektiologie, Neurologie und Radiologie der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht seit dem Jahre 2020 in der prospektiven, multizentrischen Studie CovILD mögliche Folgeschäden nach einer schwer verlaufenen SARS-CoV-2 Infektion und veröffentlicht nun im renommierten internationalen Fachjournal Radiology neue Ergebnisse. Insgesamt wurden vom Team rund um den Radiologen Gerlig Widmann vier CT-basierte Verlaufskontrollen der Lunge durchgeführt, von anfangs 142 Probanden konnten nach einem Jahr noch 91 TeilnehmerInnen in die Studie eingeschlossen werden.

Der Grad der Corona-Erkrankung bei den Probanden bzw. die sogenannte Studien-Kohorte teilte sich dabei folgendermaßen auf: Gruppe 1 mit mildem Verlauf und ambulanter Behandlung (21 Prozent), Gruppe 2 mit moderatem Verlauf und stationärer Behandlung ohne Sauerstoffgabe (25). Gruppe 3 mit schwerem Verlauf und stationärer Behandlung mit Sauerstoffgabe (25) und schließlich die Gruppe 4 mit einem kritischen Verlauf mit intensivmedizinischer Behandlung und Beatmung (29 Prozent).

Über 50 Prozent mit subtilen Veränderungen im CT
„Betreffend Schweregrad des initialen Verlaufes waren bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer auch noch zwölf Monate nach Krankenhausentlassung subtile Veränderungen im CT nachweisbar. Auch wenn eine Mehrheit dieses Anteils zumindest schwer erkrankt war, sind wir von diesem Ergebnis doch überrascht“, sagt Anna Luger, Radiologin der Med Uni Innsbruck. „Der über 60-jährige männliche Patient mit kritischem Krankheitsverlauf trägt unseren Untersuchungen zufolge jedenfalls das größte Risiko, auch ein Jahr nach Covid-19 noch Lungenveränderungen zu zeigen“, so Luger, Erstautorin der Studie. 

Im Detail zeigten 34 Prozent der Teilnehmer oberflächennahe netzartige Verdichtungen der Lunge, geringe Milchglastrübungen oder beides, bei 20 Prozent der Teilnehmer waren ausgedehnte Milchglastrübungen, oberflächennahe netzartige Verdichtungen, Bronchialerweiterungen und mikrozystische Veränderungen feststellbar, die eventuell auf Vernarbungsprozesse hindeuten. „Aus radiologischer Sicht lässt sich noch nicht abschätzen, wie sich diese strukturellen Lungenveränderungen zeitlich weiter verhalten“, so Gerlig Widmann.

Drei Szenarien vorstellbar
Drei Szenarien seien jedoch vorstellbar: Die Veränderungen bilden sich langsam vollständig zurück, die Veränderungen halten an und es entwickeln sich stabile Vernarbungen, oder das Lungengewebe wird zunehmend fibrotisch (Bindegewebsvermehrung) und es kommt begleitend zu kontinuierlich zunehmenden klinischen Symptomen. Aus Langzeitstudien zur SARS-Pandemie im Jahr 2003 ist bekannt, dass im CT auch noch 15 Jahre nach Erkrankung Veränderungen des Lungengewebes festzustellen sind.

Angesichts der gesundheitspolitischen Relevanz einer Post-COVID Erkrankung zeigen die bisherigen Daten aus Innsbruck, dass eine langfristige klinische und radiologische Nachsorge von PatientInnen mit anhaltenden Lungenveränderungen im CT notwendig ist, um mehr über den klinischen Verlauf und potentielle Folgeerscheinungen herauszufinden.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 15.04.2022