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19. Juli 2024

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Die Dominanz von Cannabis und Kokain

Die Dominanz von Cannabis und Kokain© pexels/rodnae productions

Nach Corona nimmt der Konsum von Alkohol und Drogen wieder zu, so die Ergebnisse des Drogenmonitorings vom Institut für Gerichtliche Medizin der Med-Uni Innsbruck für 2022. Kufstein führt bei Kokain und Wien bei Amphetamin.

(red/czaak) Abwässer aus Kläranlagen halten relevante Informationen für die Überwachung der öffentlichen Gesundheit bereit. Um Vergleichswerte und Trends des Drogenkonsums über Ländergrenzen hinweg feststellen zu können, wird das abwasserbasierte Drogenmonitoring in europäischen Städten schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Die Analysen für Österreich liefert seit 2016 das forensisch-toxikologische Labor am Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizin Uni Innsbruck.

Erstmals auch Daten aus Wien, Salzburg und Oberösterreich
„Mit der schrittweisen Lockerung der Corona-Maßnahmen 2022 hat auch der Konsum von Alkohol und Drogen in der Bevölkerung wieder zugenommen“, so Herbert Oberacher, Leiter des Labors zu den Auswertungen. Im Jahr 2022 wurden im Rahmen des europäischen Netzwerks Score die Abwässer von 17 Kläranlagen für insgesamt 110 Städte und Regionen in Österreich untersucht und eine Anlage in Südtirol für rund 200 Gemeinden.

Nicht vertreten in der Analyse für Österreich ist einzig das Burgenland. In Summe liefert Österreich fünfzehn Prozent aller europäischen Datensätze. „Neu für 2022 ist, dass erstmals Daten aus Wien, Salzburg und Oberösterreich in die Analyse eingeflossen sind. Insgesamt hat sich die Zahl der Proben im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt und damit erhöht sich die Aussagekraft des Lagebilds“, so Oberacher.

Rückschlüsse auf Drogenkonsum von rund 3,5 Millionen Menschen
Final lässt die Untersuchung Rückschlüsse auf den Drogenkonsum von rund 3,5 Millionen Menschen in Österreich und Südtirol zu. Für die jährliche Score-Studie wurden im Frühjahr 2022 über einen Zeitraum von einer Woche täglich Proben vom Zufluss der Kläranlagen entnommen. Die Ergebnisse werden von der EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in Lissabon für den europäischen Drogenbericht verwertet und jährlich veröffentlicht.

Analysiert wurden die Konsummarker (Drogen bzw. deren Stoffwechselprodukte) der Suchtgifte Tetrahydrocannabinol (THC, Wirkstoff in Cannabis), Kokain, Amphetamin (Wirkstoff in Speed), 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin (MDMA, Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth), sowie Alkohol und Nikotin.

Österreich bleibt im europäischen Mittelfeld
„Eine Person aus einer der 17 untersuchten Regionen trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund ein Milligramm an aufputschenden Drogen“, erläutert Herbert Oberacher die heimischen Ergebnisse. Keine einzige der in Österreich und Südtirol überwachten Regionen befindet sich in einer aus den Ergebnissen der Score-Studie abgeleiteten Rangliste unter den zehn umsatzstärksten Regionen.

Die Möglichkeit des Vergleichs unterschiedlicher Regionen ist eine besondere Stärke des abwasserbasierten Drogenmonitorings. In fast allen Regionen war Cannabis die dominierende Droge, wobei der THC-Konsum im urbanen Raum höher ist, als in ländlichen Gegenden. Unter den Stimulanzien ist Kokain die umsatzstärkste Droge. In Westösterreich und Südtirol wird Kokain in größeren Mengen konsumiert, als in Ostösterreich.

Kufstein führt bei Kokain sowie Wien und Wiener Neustadt bei Amphetamin
Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kokain verzeichnete Kufstein. Die größten Pro-Kopf-Konsummengen der Wirkstoffe Amphetamin (Speed) und Metamphetamin (Crystal Meth) ließen sich in Ostösterreich, speziell in Wien und Wiener Neustadt, beobachten. Diese West-Ost-Verteilung von Stimulanzien und synthetischen Drogen ist nicht auf Österreich beschränkt, sondern spiegelt sich auch in ganz Europa wider.

In Südtirol scheint der Pro-Kopf-Konsum dieser Genuss- und Suchtmittel niedriger als in Österreich zu sein. Auch ein Vergleich von Süd- und Nordtirol lässt sich anhand der Daten aus den Landeshauptstädten anstellen: In Bozen war etwa der Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol, Nikotin, Cannabis, Amphetamin und MDMA geringer als in Innsbruck, jener von Kokain vergleichbar.
Mehrwert für öffentliche Gesundheitsüberwachung

Die im Rahmen des Score-Netzwerks über den Drogenmarkt erhobenen Daten liefern den Behörden und den politisch Verantwortlichen Entscheidungshilfen, um geeignete Maßnahmen für eine nachhaltige Drogenpolitik ausarbeiten und umsetzen zu können.

„Die Abwasserepidemiologie hat in den letzten Jahren enorm an Akzeptanz gewonnen. Die jährlichen Steigerungen der untersuchten Regionen und hier insbesondere das Hinzukommen von zuletzt Wien, Graz, Salzburg und Klagenfurt macht deutlich, welchen Stellenwert die Methode mittlerweile bei den Gesundheitsbehörden einnimmt“, unterstreicht Herbert Oberacher, Leiter des Labors am Institut für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizin Uni Innsbruck.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 30.03.2023